News

16.12.2010 | 16:23
MEDIA & MEDIEN
0 KOMMENTARE
KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Inseratentarife 2011: Die Krise hemmt nicht mehr

Punkto Anzeigentarife treten die Verlage wieder selbstbewusster auf. Tamedias Pendlerzeitung 20 minutes zum Beispiel nützt sein «Stand alone» als Westschweizer Pendlerblatt voll aus und erhöht seinen Tausendleserpreis um 14,3 Prozent. Nur das PME Magazine und die Finanz und Wirtschaft sind noch frecher. Doch es gibt auch Titel, die günstiger werden. Zudem macht sich unter den Zeitungen ein Trend bemerkbar: Der Einheitstarif hält Einzug.

Edipresse und die AZ Medien ändern die Inseratentarife ihrer Zeitungen und Zeitschriften per 2011 nicht. Auch Ringier Deutschschweiz, Axel Springer Schweiz und Ki-Media belassen ihre Annoncenpreise auf aktuellem Niveau. Nur gerade bei ihren aufstrebenden Titeln Blick am Abend, SI Style, Beobachter Natur und Bon à savoir nehmen sie sanfte Preiserhöhungen vor – ziemlich genau den jeweiligen Reichweitengewinnen entsprechend. Punkto Anzeigentarife 2011 könnte also der Eindruck einer Nullrunde aufkommen.

Doch der Schein trügt. Denn mindestens ein Drittel der 110 aufgeführten Pressetitel nimmt entweder offene oder versteckte Tariferhöhungen vor. Dies gilt in ganz besonderem Mass für die Tamedia-Titel Finanz und Wirtschaft, 20 minutes und Schweizer Familie sowie für die Mitgliederpresse von Migros und Coop. Sie alle haben in der Mach Basic 2010 2 gegenüber dem Vorjahr signifikante Reichweitenverluste ausgewiesen, verlangen für ihre gesunkene Leis¬tung aber weiterhin gleich viel wie dieses Jahr. Und in manchen Fällen sogar mehr: So traut sich etwa 20 minutes, trotz einer um 6,1 Prozent gesunkenen Reichweite in der Westschweiz, den Inseratenpreis um 7,3 Prozent zu erhöhen. Auf der Ebene Tausendleserpreis (TLP) entspricht dies einem Aufschlag von 14,3 Prozent. Marcel Kohler, Geschäftsführer von 20 Minuten, sieht darin aber kein Problem: Verglichen mit der Westschweizer Konkurrenz sei 20 minutes punkto TLP immer noch sehr günstig, sagt er. Stimmt, die TLPs der meisten Bezahl- und Gratiswochenzeitungen in der Romandie sind um ein Mehrfaches höher. Kommt dazu, dass zwei andere Titel punkto TLP-Erhöhung noch frecher sind: Den happigsten TLP-Aufschlag nimmt nämlich das PME Magazine vor (+18,5 Prozent), gefolgt von der Finanz und Wirtschaft (+15,7 Prozent). Erstaunliche Preiserhöhungen finden sich zudem bei Tages-Anzeiger und Basler Zeitung. Beide Titel führen zum einen den Einheitstarif für schwarz-weisse und farbige Inserate ein, zum zweiten erhöhen sie aber auch ihren Seitentarif um 10 beziehungsweise 12,7 Prozent – ohne annähernden Leistungszuwachs. Beim Tagi hat dies einen TLP-Aufschlag um satte 13,5 Prozent zur Folge, während er sich bei der BaZ um 8,8 Prozent verteuert. Wobei da die aktuellen 1800 BaZ-Abo-Kündigungen noch nicht berücksichtigt sind.

Apropos Einheitstarif: Was die Zeitschriften schon lange kennen, hält nun auch bei den Zeitungen Einzug. So startete die Zentralschweiz am Sonntag seinerzeit bereits mit einem Einheitstarif, vor einem Jahr folgte Le Temps als erster Westschweizer Titel und nun wird die Idee abgesehen von Tagi und BaZ auch von der Neuen Luzerner Zeitung, der Coop-Presse und dem Bündner Anzeiger kopiert. Auch die Südostschweiz peilt ganz offensichtlich dasselbe Ziel an, allerdings in kleinen Schritten.

Wenn bisher vor allem von Preiserhöhungen die Rede war, so sei hier auch erwähnt, dass einige Titel durchaus vorbildlich handeln. So reduziert etwa Reader’s Digest seinen Tarif etwa so, wie es dem signifikanten Reichweitenverlust entspricht. Andere Titel wie die WOZ oder TV8 erhöhen ihre Preise zwar, prozentual bleibt der Aufschlag aber unter dem Leserzuwachs. Wieder andere belassen ihre Tarife auf aktuellem Niveau, obwohl sie ansehnlich Leser gewinnen konnten. Zu Letzteren gehören Stocks und L’Impartial (je 13 Prozent Leserzuwachs), die Freiburger Nachrichten (12,5 Prozent) und der Gesundheits-Tipp (11 Prozent). Ihre TLPs sinken entsprechend deutlich.

Markus Knöpfli

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Printausgabe der Werbewoche.

> Tarife Teil 1 (pdf)
> Tarife Teil 2 (pdf)

Anzeige

ABO-SERVICE

MIT EINEM ABO DER WERBEWOCHE WERDEN SIE AUCH ONLINE-MEMBER

Mit einem Print-Abonnement haben Sie ab sofort kostenlosen Zugang zum Internet-Archiv der Werbewoche. Dort können Sie mittels einfacher Stichwortsuche auf sämtliche Artikel der letzten sieben Jahre zurückgreifen - blitzschnell und zum Nulltarif!

Testen Sie jetzt zwei Wochen lang unser kostenloses Probe-Abo und überzeugen Sie sich selbst!

ZUM BESTELLSERVICE

AKTUELLE WERBEWOCHE

Das Kreativranking der Werbewoche zeigt, welche Agenturen bei den Kreativwettbewerben 2010 am besten abgeschnitten haben.

AKTUELLE WERBEWOCHE

Wer wird Nachfolger oder Nachfolgerin von Regula Fecker als Werberin des Jahres 2010? Sechs Nominierte stellen sich zur Wahl.

AKTUELLE WERBEWOCHE

Theophil Butz über längst vergangene Zeiten sowie seinen neuen Spass an den Aufgaben der Gegenwart.